16.10.2014 - Re(e)de & Antwort

16 Fragen an die Kommandobrücke der DEUTSCHLAND

Schiff Ahoi: Der Kapitänsberuf ist seit jeher so faszinierend wie geheimnisvoll. Doch was steck hinter den Männern und Frauen in Weiß mit besternten Schultern und prachtvoller Mütze? Andreas Greulich (r.) und Elmar Mühlebach (l.), die Kapitäne der DEUTSCHLAND, gewähren einen exklusiven Einblick in den spannenden Alltag an Bord des Traumschiffs und klären über die Mythen des Kapitänsberufs auf.

„Ahoi und Moin Moin“ heißt es tagtäglich an den Hamburger Landungsbrücken. Deutschlands größter Hafen besitzt die wohl höchste Dichte an Kapitänen: Die imposanten Gestalten ganz in Weiß lassen nicht nur kleine Jungs am Elbstrand von den Weiten des Meeres träumen, auch viele Erwachsene sind von dem Beruf auf der See fasziniert. Nicht umsonst sind die Captain´s Dinner und ein Schnappschuss mit dem Schiffsoberhaupt auf jeder Fahrt ein ganz besonderes Highlight für die Gäste. Die ganze Welt be-reisen, die exotischsten Orte in weiter Ferne entdecken und das Kommando über einen erhabenes Schiff haben: Der Kapitänsberuf ein Traumberuf? Das Original-Traumschiff bereist unter der Führung von An-dreas Greulich und Elmar Mühlebach die ganze Welt: Die beiden Kapitäne stehen Rede und Antwort und geben exklusive Einsicht in ihren Berufsalltag, der in vielen Fernweh weckt.

Moin Moin, die Herren Kapitäne – Wir beginnen mit dem Klassiker: Wie verläuft die Ausbildung zum Kapitän und welche Voraussetzungen sollte man mitbringen?

Kapitän Andreas Greulich: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, aber der klassische Weg ist das Studium an der Seefahrtsschule. Dann folgt der Aufstieg über den 3., 2. und 1. Offizier bis zum Kapitän. Es gibt natürlich gesundheitliche Voraussetzungen. Außerdem sollte man ein Teamworker sein, denn an Bord muss man sich aufeinander verlassen können. Wichtig ist auch Verantwortung tragen zu können und ent-scheidungsfreudig sein, abwägen und auch mal improvisieren zu können.

Und was hält die Familie von Ihrem Beruf und wie halten Sie den Kontakt während der Reisen?

Kapitän Elmar Mühlebach: Vor allem meine 12-jährige Tochter hält manchmal nicht so viel davon. Da fällt der Abschied von zuhause schon schwer. Aber es ist dann umso schöner, wenn die Familie Zeit findet, mich an Bord zu begleiten. Außerdem sind die digitalen Möglichkeiten heute so gut, dass Kontakt halten zum Glück kein Problem mehr ist.

Wann schläft ein Kapitän und wie ist Ihr Tagesablauf?

Kapitän Andreas Greulich: Der Kapitän ist „wachfrei“, das heißt er hat keine Seewachen wie die Offiziere, ist aber immer auf Rufbereitschaft, also im Stand-by Modus. Bei besonderen Umständen wie schwerer See, hoher Verkehrsdichte oder beim Ein-und Auslaufen ist der Kapitän immer auf der Brücke. Danach folgt der normale Tagestörn mit viel „Papierkrieg“. Auf einem Passagierschiff hat er aber auch Verpflich-tungen gegenüber den Gästen wie den Kapitänsempfang oder die Gala.

Stichwort Herausforderungen – Welcher Hafen ist bei der Einfahrt besonders knifflig?

Kapitän Elmar Mühlebach: Spontan fällt mir Bangkok im vergangenen Jahr ein: Sehr flach, eng und pottendicker Nebel. Jeder Hafen hat seine Besonderheiten, aber meistens sind es die Wetterbedingungen, die die größte Herausforderung darstellen. Durch starken Wind oder mangelnde Sicht kann jeder Hafen zum Problemfall werden. Wir sind dann dankbar, dass wir durch Schlepper und Lotsen unterstützt werden.

Welche ist Ihre ganz persönliche Lieblingsroute?

Kapitän Andreas Greulich: Momentan ist es auf jeden Fall Südamerika mit Stopps in Chile und vor allem Argentinien. Die Landschaft ist dort so faszinierend mit den Bergen aus Feuer und Eis, dem Dschungel und Regenwäldern. Außerdem mag ich die Mentalität der Menschen, ein ganz anderes Lebensgefühl.

Warum Kapitän von einem Kreuzfahrtschiff? Wo liegen die Unterschiede zu Frachtschiffen?

Kapitän Elmar Mühlebach: Es ist das Miteinander zwischen Crew und Gästen. Wir haben viele Menschen an Bord, speziell bei uns sehr nette und treue Gäste sowie eine tolle Crew. Das ist eine besondere Atmosphäre.

Kennen Sie jeden einzelnen Namen der Crew?

Kapitän Andreas Greulich: Wir kennen die insgesamt 280 Besatzungsmitglieder doch sehr gut und haben täglich Kontakt mit fast allen. Das ist auch ungemein wichtig: Die Crew muss spüren, dass wir ein großes Team sind. Denn auch wenn der Kapitän am Ende das Schlusswort spricht, bin ich nicht nur der „alte Seebär“ auf der Brücke.

Traumschiff Kapitän vs. Deutschland Kapitän – alles wie im Film?

Kapitän Elmar Mühlebach: Bei weitem nicht. Ich schaue das Traumschiff sehr gerne und rate dann immer fieberhaft mit, wo die Szenen gedreht wurden. Aber die Rolle des TV-Kapitäns wird schon ein bisschen anders dargestellt – der Kapitän des Traumschiffs ist viel an Land unterwegs und versucht die Probleme seiner Gäste höchstpersönlich zu lösen. Dafür ist in Wirklichkeit leider nicht so viel Zeit, deshalb bin ich manchmal schon etwas neidisch auf meinen Fernseh-Kollegen.

Der Kapitän und sein Schiff – Beschreiben Sie uns Ihre Beziehung zur DEUTSCHLAND!

Kapitän Andreas Greulich: Die Deutschland ist meine Lady. Wenn man mit einem Schiff die ganze Welt bereist, fängt man irgendwann an mir ihm zu sprechen oder ihm gut zuzureden, wenn die See besonders schwer ist. Sie sehen, ein ganz besonderes Verhältnis.

Stichwort Mythologie: Gibt es traditionelle Regeln, die an Bord noch befolgt werden wie z.B. keine Zi-garette an der Kerze anzünden, sonst stirbt ein Seemann?

Kapitän Elmar Mühlebach: Die gibt es mit Sicherheit noch, aber ich bin Gott sei Dank nicht abergläubisch.

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an der DEUTSCHLAND?

Kapitän Andreas Greulich: Natürlich hält jeder Kapitän sein Schiff für etwas Besonderes. Die DEUTSCHLAND ist für mich ein zweites Zuhause. Der Name und die deutsche Flagge spielen für mich eine große Rolle. Man fühlt sich als Botschafter seines Landes, wenn man irgendwo auf der Welt einläuft. Das macht die Crew und mich immer wieder sehr stolz. Nicht vergessen: Die DEUTSCHLAND ist das einzige und auch das letzte Passagierschiff, das unter deutscher Flagge über die Weltmeere fährt.

Wie schnell fährt die DEUTSCHLAND?

Kapitän Elmar Mühlebach: Für Technik-Freaks die harten Fakten: 16.750 PS bringen die Deutschland auf 20 Knoten, also rund 37 km/h. Mit einem Kreuzfahrtschiff bevorzuge ich es aber, eher langsamer zu fahren. Das ist schöner und viel gemütlicher.

Was sind die meistgestellten Fragen beim Captain’s Dinner?

Kapitän Andreas Greulich: Da gibt es einige: Wo waren Sie noch nicht? Was sind Ihre Lieblingshäfen und Länder? Muss man die Mütze tragen?

Und? Ist es Pflicht die Kapitänsmütze zu tragen?

Kapitän Elmar Mühlebach: Früher war das auf der Brücke durchaus üblich. Heute sehen wir das nicht mehr so streng, aber die Mütze gehört natürlich zur Uniform.

Ein exklusiver Geheimtipp vom Kapitän: Was sollte man auf jeden Fall an Bord der DEUTSCHLAND machen?

Kapitän Andreas Greulich: Mein persönliches, tägliches, Highlight ist der Moment morgens um 6 Uhr mit dem Becher Kaffee draußen zu stehen und in den Sonnenaufgang zu fahren. Klingt kitschig, aber das ist meine Möglichkeit die Ruhe des Meeres zu genießen und einmal durchzuatmen. Auch nach 33 Jahren auf See ist das noch immer der beste Start in den Tag.

Und zum Abschluss: Haben Sie auch schon mal Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff gemacht?

Kapitän Elmar Mühlebach: Ja klar!