09.09.2015 - Handlungsbedarf für zukünftiges Wachstum

Herausforderungen für europäische Kreuzfahrtbranche

Die europäische Kreuzfahrtbranche hat mit ihrem Gesamtergebnis von 40,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr einen Rekordbeitrag zur wirtschaftlichen Erholung Europas geleistet. Dies entspricht einer Steigerung von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dennoch warnt CLIA Europe vor einer Reihe von Herausforderungen, die sich bereits als dunkle Wolken am Horizont abzeichnen und das künftige Wachstum gefährden könnten, wenn nicht umgehend gehandelt wird.

„Im letzten Jahr konnte die Kreuzfahrtbranche ihr Wachstum fortsetzen und ihre Bedeutung in Europa steigern, indem sie 350.000 Arbeitsplätze schuf – 10.000 mehr als im Vorjahr. Zudem verlieh sie der europäischen Industrieproduktion Auftrieb: 29 von 31 Hochseekreuzfahrtschiffen, deren Auslieferung bis zum Jahr 2018 geplant ist, werden in europäischen Werften gebaut“, sagte Pierfrancesco Vago, Chairman von CLIA Europe, in seiner Rede in Hamburg anlässlich der Eröffnung der Seatrade Europe. Sie ist das größte, zweimal jährlich stattfindende Branchentreffen mit Schwerpunkt auf dem europäischen Kreuzfahrtmarkt.

Das Wachstum der Kreuzfahrtbranche in Europa hat sich gegenüber den Vorjahren verlangsamt. Auch wenn der langfristige Trend weiterhin positiv bleibt, könnte die Zukunft viel optimistischer aussehen. „Wir müssen uns dringend mit einer Reihe von Einschränkungen hinsichtlich des weiteren Wachstums der Branche befassen, wenn wir sicherstellen wollen, dass die Kreuzfahrtbranche auch weiterhin einen festen Beitrag zur europäischen Wirtschaft leisten wird“, so Vago.

Infrastruktur, EU-Umweltgesetze und EU-Visakodex sind zentrale Hürden für weiteres Wachstum

Während seiner Rede hob er einige der wichtigsten Hürden hervor, die das weitere Wachstum der Kreuzfahrtbranche einschränken: Dies sind eine unzureichende Entwicklung der Hafeninfrastruktur, die ungleiche Anwendung der EU-Umweltgesetze in den Häfen Europas und Beschränkungen, die die Ankunft von mehr Touristen aus Drittstaaten in Europa behindern.

Vago betonte beim notwendigen weiteren Ausbau der Hafeninfrastruktur, dass viele europäische Häfen Mühe haben, mit dem schnellen Wachstum der Kreuzfahrtindustrie Schritt zu halten. Eine Aufwertung der Hafeninfrastruktur innerhalb Europas sei eine notwendige Investition, die neue Routen und Reiseziele erschließen und den Wirtschaftsbeitrag der Branche an Land weiter ankurbeln würde.

Raphael von Heereman, Secretary General von CLIA Europe, kritisierte auch die uneinheitliche Anwendung der EU-Gesetze in den europäischen Häfen: „Die Art und Weise, wie bestimmte EU-Gesetze innerhalb Europas angewendet werden, beeinträchtigt uns bei der Optimierung der betrieblichen Effizienz unserer Schiffe. Die EU-Schwefelrichtlinie ist hier ein Paradebeispiel: Während die Kreuzfahrtlinien in teure, offene Verfahren zur Abgaswäsche investieren, um der Richtlinie nachzukommen, bleibt es weiterhin unklar, in welchen Häfen sie diese Techniken auch nutzen können. Die EU-Mitgliedsländer müssen sich darauf konzentrieren, die Anwendung der europäischen Gesetzgebung in all ihren Häfen anzupassen, um ein Chaos zu vermeiden.” Vago ergänzte: „Wir müssen sicherstellen, dass mehr europäische Häfen über geeignete Einrichtungen verfügen, mit denen Kreuzfahrtschiffe Abwasser an Land entsorgen können.“

Zudem kritisierte von Heereman, dass Europa in Bezug auf die Visumpflicht für Ausländer zu den restriktivsten Regionen der Welt gehöre und deshalb jedes Jahr sechs Millionen potenzielle Touristen in einer kritischen Zeit der wirtschaftlichen Erholung verliere. Die vorgeschlagene Reform des EU-Visakodex sei ein entscheidender Beginn zur Verbesserung der Touristenströme in Europa. „Allerdings müssen die EU-Institutionen die neuen Gesetze rasch übernehmen und umsetzen, ansonsten riskieren sie es, der EU noch mehr wertvolle Tourismuseinnahmen vorzuenthalten“, sagte Heereman.

Pierfrancesco Vago hat alle betroffenen Interessensgruppen – dazu zählen auch die Kreuzfahrtreedereien, Hafenbetreiber sowie Behörden – dazu aufgerufen weiterhin zusammenzuarbeiten, um gemeinsam Lösungen für diese und weitere Herausforderungen zu finden: „CLIA befürwortet einen Ansatz, der konsensbasiert und dialogorientiert ist und sich an alle Interessensgruppen wendet. Obwohl wir vor großen Herausforderungen stehen, sehen sich CLIA und die Kreuzfahrtbranche verpflichtet, das weitere nachhaltige Wachstum der Kreuzfahrtbranche in den kommenden Jahren in Europa sicherzustellen.“

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