15.10.2019 - Studie von Kreuzfahrtberater.de

Nachhaltigkeits-Check bei den Top-Reedereien

Das Thema Nachhaltigkeit findet immer mehr Einzug in die strategische Ausrichtung der einzelnen Reedereien. Kreuzfahrtberater.de hat untersucht, was vier beliebte Reedereien der Deutschen in Bezug auf Nachhaltigkeit für den Umweltschutz tun.

TUI Cruises

TUI Cruises pflegt mit sieben Schiffen eine übersichtliche Schiffsflotte. Sechs Neubauten aus den Jahren 2014 – 2017 rund 30% weniger Treibstoff als Schiffe vergleichbarer Größe. Mein Schiff 1 und Mein Schiff 2 benötigen in dieser Hinsicht nur ca. 60% an Treibstoff. Dies ist zurückzuführen auf ein umfassendes Energiemanagementsystem. Neben der Nutzung der Abwärme aus den Hauptmaschinen fällt darunter auch der Gebrauch hocheffizienter Klimaanlagen, die hydrodynamische Rumpfform des Schiffes sowie ein umweltfreundlicher
Unterwassersilikonanstrich.

Alle Neubauten sind mit einem kombinierten Abgasnachbehandlungssystem ausgestattet – Scrubber und Katalysatoren –, die zusammen für die Reduzierung von Emissionen sorgen. Konkret bedeutet das:

● bis zu 99% weniger Schwefel-Emissionen,
● bis zu 75% weniger Stickoxid-Emissionen und
● bis zu 60% weniger Partikelausstoß.

Die Schiffe von TUI Cruises sind mit Landstromtechnik ausgestattet.

Plastikverpackungen & Lebensmittel – Abfallmanagement

TUI Cruises hat sich bis Ende 2020 das Ziel gesetzt, Einwegartikel im Schiffsbetrieb größtenteils zu vermeiden oder durch umweltfreundliche Alternativen zu ersetzen. Dazu wurde das Plastik-Reduktionsprogramm WASTELESS ins Leben gerufen. In diesem Zuge wurden 2016:

● Plastikstrohhalme durch umweltfreundliche Alternative ersetzt
● Plastikrührer durch Holzrührer ersetzt → Einsparung ca. 1,5 Millionen pro Jahr
● Plastikflaschen der Pflegeprodukte durch Spendersysteme ersetzt → Einsparung ca. 380.000 pro Jahr

● Portionspackungen durch Großgebinde abgelöst
● Slipper ohne Verpackung bereitgestellt → Einsparung ca. 250.000 pro Jahr
● Plastik- und Papiertüten durch Strandtaschen aus recyceltem PET ersetzt → Einsparung ca. 200.000 pro Jahr

Um Lebensmittel nachhaltiger zu nutzen, wurde die Anordnung der Speisen am Buffet optimiert. Hierzu tragen die kleineren Präsentationsbehälter bei, die bei einer gleichbleibenden Angebotsvielfalt unnötige Abfälle vermeiden. Das auf die Zeit von 06:30 bis 21:30 Uhr ausgeweitete Angebot im Buffet-Restaurant Anckelmannsplatz vermeidet mit fließenden Übergängen zwischen den Mahlzeiten Lebensmittelabfälle. Zur Dekoration setzt die Reederei vermehrt wiederverwertbare Elemente anstelle von Lebensmitteln ein.

Wassermanagement

Die Schiffe verfügen über ein modernes (Ab-) Wassermanagement. Der Großteil des Trinkwassers wird durch eigene Entsalzungsanlagen aus Meerwasser produziert. Das Abwasser, das an Bord entsteht, wird wieder umweltverträglich aufbereitet. Sämtliche Handwaschbecken in den öffentlichen Bereichen sind mit Durchflusssparautomatik ausgestattet und die Bordtoiletten mit Spülstoppautomatik. Mit den neu eingeführten Handtuchkarten werden an den Pools nur so viele Handtücher ausgegeben, wie gebraucht werden. Das Wäscheaufkommen wurde somit um 30% reduziert.

AIDA Cruises

Derzeit befinden sich 14 Schiffe in der Flotte von AIDA Cruises, eines davon, AIDAnova, wird mit LNG-Gas betrieben. Bis 2023 soll es zwei weitere LNG betriebene Schiffe geben, die im Hafen und auf See vollständig emissionsarm fahren. Alle ab 2000 in Betrieb genommenen Schiffe, die nicht mit LNG betrieben werden, wurden mit Advanced Air Quality
Systems (AAQS) nachgerüstet. Zehn der Schiffe verfügen über einen Landstromanschluss bzw. sind technisch dafür vorbereitet. Maßnahmen zur Treibstoff- und Energieeinsparung umfassen:

● Unterwasseranstrich zur Reduzierung des Bewuchs am Unterschiff (hohe Reibung)
● Absorptionskältemaschinen, um überschüssige Abwärme in Kälte umzuwandeln für die Klimaanlagen
● kein automatischer Wechsel von Bettwäsche und Handtüchern auf Kurzreisen

Ab 2021 testet die Reederei an Bord von AIDAnova erstmals den Einsatz von Brennstoffzellen, die eine emissionsärmere Energieversorgung bietet als Flüssigerdgas.

Plastikverpackungen & Lebensmittel – Abfallmanagement

AIDA Cruises verzichtet auf Plastik- und Einwegartikel. Konkret bedeutet das:

● biologisch abbaubare Trinkhalme statt Plastikstrohhalme
● nicht mehr einzeln verpackte Kaffeebeigaben (nun in Großbehältern eingekauft)
● keine Müllbeutel auf den Kabinen und in den Bädern
● Papiertragetaschen statt Kunststofftaschen in den Bordshops
● aus Küchenbereich entfernt: Probierlöffel, Einwegschürzen, Einwegflaschen
● Wäsche aus Wäscherei werden ohne Plastikfolie auf die Kabine gebracht

Statt Convenience Produkten werden unverarbeitete Lebensmittel eingekauft. Das “Buffet-Runner-System” sorgt dafür, dass nach Bedarf Nachschub bereitgestellt wird. Dazu senden
Mitarbeiter im Buffetrestaurant Nachbestellungen über ein mobiles Endgerät, wenn die Speisen nicht mehr vorhanden sind. Zudem sind die Speisen im Buffetrestaurant portionsweise angerichtet.

Zehn der AIDA-Schiffe verfügen über ein innovatives Vacuum-Food-Waste-System für Lebensmittelabfälle, das erheblich weniger Wasser als herkömmliche Systeme verbraucht. Statt Abfälle mit Wasser durch Rohrleitungen zu schwemmen, werden diese über ein Vakuumsaugsystem in den dafür vorgesehenen Speichertank befördert.

Wassermanagement

Um das Wassermanagement nachhaltiger zu gestalten, gibt es auf allen Neubauten moderne Abwasserbehandlungssysteme. Toiletten sind mit einem wassersparenden Vakuumsystem ausgestattet, das pro Spülung nur einen Liter Wasser verbraucht.

MSC Kreuzfahrten

Die MSC Flotte besteht derzeit aus 17 Schiffen. Bis Ende 2019 werden 11 davon mit Abgasreinigungssystemen ausgestattet sein. Alle Neubauten verfügen entweder bereits über ein solches System oder werden mit LNG betrieben. Das Abgasreinigungssystem ermöglicht:

● bis zu 97% weniger Schwefel-Emissionen
● starke Reduzierung des Feinstaubs

Das Nutzen von LNG-Gas anstelle von Schweröl führt zu folgenden Fortschritten:

● bis zu 99% weniger Schwefel-Emissionen
● bis zu 85% weniger Stickoxid-Emissionen

2022 wird das erste LNG betriebene Schiff für MSC Kreuzfahrten an den Start gehen. Darüber hinaus werden einige der zukünftigen Neubauten mit SCR-Katalysatoren (Selective Catalytic Reduction) ausgestattet sein. Die SCR-Technologie trägt durch fortschrittliche aktive Emissionskontrolltechnologie dazu bei, Stickoxide in Stickstoff und Wasser zurückzuführen. Die neuesten Schiffsklassen sind für die Versorgung mit Landstrom ausgelegt.

Maßnahmen zur Energie- und Treibstoffreduzierung umfassen unter anderem:

● energieeffiziente Geräte wie Kühlschränke, Warmwasserbereiter, Geschirrspüler etc.
● Antifouling-Farbe zur Vorbeugung von Bewuchs des Unterschiffs (hohe Reibung)
● HVAC-Systeme, um Wärme und Kälte intelligent zu verteilen

Plastikverpackungen & Lebensmittel – Abfallmanagement

MSC Kreuzfahrten hat alle Plastikstrohhalme durch 100% kompostierbare und biologisch abbaubare Alternativen ersetzt. Getränke werden nur auf Wunsch mit Strohhalm serviert. Modernste Entsorgungs- und Recyclinganlagen an Bord unterstützen die Abfallentsorgung gemäß den CLIA-Umweltgrundsätzen und den MARPOL-Anforderungen. Wassermanagement

Nahezu das gesamte an Bord verbrauchte Wasser stammt aus eigener Produktion und wird grundsätzlich nicht aus Häfen und von Küstengemeinden entnommen. Frischwasserproduktionsanlagen sind in der gesamten Flotte vorhanden. Während die neuesten Schiffe standardmäßig über leistungsstarke Produktionstechnologien verfügen, wurde die älteste Schiffsklasse kürzlich mit modernen Hochleistungssystemen mit erhöhter Wasserproduktionskapazität aufgerüstet. Kein Schwarzwasser aus dem laufenden Schiffsbetrieb verlässt die MSC Flotte ohne ordnungsgemäße Nachbehandlung und jeglicher Wasserabfluss aus der Flotte wird einem umfassenden Reinigungsprozess unterzogen.

Hurtigruten

Hurtigruten engagiert sich stark für den Umweltschutz in Anlehnung an die Sustainable Development Goals. Da Wissen notwendig ist, um seinen CO2-Fußabdruck zu reduzieren, beteiligt Hurtigruten sich an Forschungsprojekten und fördert diese. Sie kümmern sich beispielsweise um die Registrierung von Eisbären auf Spitzbergen und um die Erfassung der Meerwassertemperatur entlang der norwegischen Küste. Auch die Überwachung von ausgelaufenem Öl und der Antarktisforschung liegen im Fokus der Reederei. Hurtigruten ist Gründungsmitglied von AECO, einer Organisation, die sich für verantwortungsvollen, umweltfreundlichen und sicheren Tourismus in der Arktis einsetzt. 2015 erfolgte der nächste Schritt: die Gründung der Hurtigruten Stiftung. Sie finanziert Umweltschutzorganisationen und Initiativen, die sich für den Schutz des natürlichen Lebensraums und des kulturellen Erbes der von der Reederei besuchten Gebiete einsetzen.

Hurtigruten Flotte auf dem Prüfstand

Derzeit besteht die Flotte aus 15 Schiffen, ein weiterer Neubau folgt 2020. Erstmals hat Hurtigruten zwei Hybrid-Schiffe bauen lassen, die mit großen Batteriesystemen ausgestattet sind, um die Emissionen zu senken. Darüber hinaus sind die Schiffe mit umweltfreundlicher Technologie und einem verbesserten Rumpf- und Bugdesign ausgestattet. Eine Reihe der bestehenden Schiffe wird von herkömmlichen Dieselmotoren auf Hybridantrieb umgestellt, indem Flüssigerdgas (LNG), Biogas (LBG) und Batteriesysteme kombiniert werden. Durch den Einsatz effizienter LNG-Motoren werden die CO2-Emissionen im Vergleich zum Jahr 2015 um bis zu 25 Prozent reduziert. Die Stickstoffoxide werden um 90 Prozent gesenkt.

Das ultimative Ziel von Hurtigruten ist es, die Schiffe völlig emissionsfrei zu betreiben. Hurtigruten setzt in keinem Schiff umweltschädliches Schweröl ein.

Plastikverpackungen & Lebensmittel – Abfallmanagement

Hurtigruten hat Einwegkunststoff von allen Schiffen verbannt. Dazu zählen Maßnahmen wie:

● Plastikstrohhalme durch Metallhalme zu ersetzen
● Rührstäbchen abschaffen
● Abschaffen/ Ersetzen von in Plastik verpackten bechern, Plastikbesteck, Plastikbeutel, Plastikdeckel auf Kaffeetassen, Zahnstocher aus Kunststoff, Plastikschürzen, Einwegverpackungen von Butter, alle anderen Einwegartikel aus Kunststoff

Rund 80% aller Speisen und Getränke stammen von norwegischen Anbietern. Fast die Hälfte davon direkt von Farmen, Fischereien und Produzenten, um den lokalen Markt zu fördern und unnötige Transportwege zu vermeiden. Auf industriell verarbeitete Lebensmittel und gefährdete Arten wird grundsätzlich verzichtet. Es werden nur Arten serviert, die vom Seafood Guide des WW zugelassen wurden.

Bis 2021 hat sich Hurtigruten dazu verpflichtet, Lebensmittelabfälle um 30 Prozent zu reduzieren. Dazu wurde eine digitale Registrierung und Echtzeitmessung bei der Nahrungsmittelverarbeitung eingeführt, um Lebensmittelabfälle zu minimieren.

Wassermanagement

Die Hurtigruten Schiffe produzieren ihr eigenes Frischwasser mithilfe von Entsalzungs- und Reinigungstechnologien an Bord. Die Wärme des Kühlwassers und der Abgassysteme der Schiffe werden erneut genutzt, um die Warmwasserspeicher an Bord zu erwärmen. Dadurch spart die Reederei Strom, der dem Verbrauch von 6.700 Haushalten pro Jahr entspricht.

Landausflüge nachhaltig gestaltet

Hurtigruten achtet darauf, dass keine sichtbaren oder bleibenden Anzeichen des Besuchs in der Destination zurückbleiben. Die Beobachtung von wilden Tieren geschieht aus der Ferne, um das natürliche Verhalten nicht zu beeinträchtigen.

Weitere Vorschriften, für die sich die Reederei einsetzt, umfassen z.B.:

● Größenbeschränkungen für Kreuzfahrtschiffe

● eine Beschränkung der Anzahl der an Land zugelassenen Gäste.

Hurtigruten setzt sich für ganzjährige Besuche und Aktivitäten in den Destinationen ein, statt sie nur in der Hochsaison zu besichtigen. Zudem stehen ab Frühjahr 2020 unter der Marke Hurtigruten Svalbard elektrische Katamarane für Ausflüge bereit. Sie sind geräuscharm und emissionsfrei unterwegs. Batteriebetriebene Schneemobile, sogenannte eSleds, sollen zum nachhaltigen Entdecken beitragen.

Fazit

Mittlerweile setzen viele Reedereien darauf, Plastikmüll zu vermeiden, Emissionen zu verringern und Ressourcen zu schonen. Die norwegische Reederei Hurtigruten sticht besonders ins Auge. Ihr Engagement geht weit über das der anderen Reedereien hinaus, dennoch sind Fortschritte in der gesamten Kreuzfahrtbranche sichtbar.

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