07.04.2011 - Reisetagebuch Hurtigruten

4. Tag – Über den Polarkreis auf die Lofoten

Hurtigruten7.15 Uhr – Wir überfahren den Polarkreis. Ab hier geht im Sommer die Sonne niemals unter. Im Winter ist es immer Nacht. An Bord der Hurtigruten-Schiffe wird wenig Wert auf Touristen-Animation gelegt. Die Bekleidung der Passagiere ist zwanglos, das Erleben der Natur steht im Vordergrund. Eine Ausnahme ist allerdings die Polarkreistaufe. Dafür werden die Passagiere auf Deck 7 gebeten. Reiseleieiter Morten Sagen und ein als Neptun verkleidetes Crew-Mitglied in Wikinger-Outfit nehmen die Prozedur vor. Den Passagieren wird aus einem Holztrog eine Kelle Eiswasser in den Nacken gekippt. Anschließend gibt’s zum „Trost“ einen kleinen Schnaps. Die Damen quieken, die Herren schütteln sich, die anderen Zuschauer lachen und fotografieren.
Das Wetter ist wieder sehr durchwachsen. Dichte Bewölkung mit gelegentlichen Regenschauern. Trotzdem sitzt im dampfenden, kleinen Whirlpool auf Deck ein Mann und schaut in die Ferne. Kein Passagier, der in Regenjacke und Schal an ihm vorbei kommt, verkneift sich einen humorigen Kommentar.

12:30 Uhr – Das Mittagessen beginnt etwas früher, damit wir mehr Zeit für den Landgang in Bodø haben. Bodø mit 40.000 Einwohnern ist großer Stützpunkt des norwegischen Militärs. Während der deutschen Invasion 1940 wurde ein Großteil der Stadt zerstört. Betongebäude machen jetzt das Stadtbild aus, mit ohrenbetäubernder Lautstärke schießen Jagdflugzeuge vor der alpinen Kulisse vorbei. Ich starte einen Marsch zu einem bekannten Aussichtspunkt, dem Rønvikfjell. Von hier habe ich einen gigantischen Ausblick auf die ganze vor uns liegende Lofoten-Kette und über Bodø. Auf dem Rückweg muss ich mich beeilen, denn bei den Landausflügen begleitet mich immer etwas Angst, die Abfahrt der Richard With zu verpassen.

15.00 Uhr – Wir legen ab und steuern direkt auf die Lofoten zu. Auf dem Weg passieren wir hübsche alte Leuchttürme, die meist schon außer Betrieb sind und durch moderne Leuchtfeuer ersetzt wurden. Der Wind wird heftiger die Sicht schlechter. Als ich in Stamsund das erste Mal die Lofoten betrete und die typischen Gestänge mit luftgetrocknetem Stockfisch sehe, wirft mich eine Böe fast um.
Nach dem Abendessen um 21.10 Uhr legen wir noch einmal in Svolvaer an. Der kleine Ort wird als Hauptstadt der Lofoten bezeichnet. Es ist schon dunkel, auf den Straßen liegt noch etwas Schnee. Aber die Temperatur ist über dem Gefrierpunkt. Heute hat sich die Sonne sehr rar gemacht.

Artikel teilen:
Fotoquelle: Hurtigruten

Kommentieren: