26.06.2020 - Das weltweit erste LNG-Kreuzfahrtschiff rund um Kanaren und Madeira

AIDAnova gigantisch

Überragend. Herausragend. Die AIDA-nova im Hafen von Santa Cruz de Tenerife. Ein Gigant, neben dem die hohen Häuser am Meer winzigen Hütten gleichen. Einer, der alles beherrscht. Erst recht, als der Transferbus sich dem Kreuzfahrt-Terminal immer mehr nähert. Wer nun den Kopf in den Nacken wirft, kann weit oben das Ende dieser wuchtigen Wand voller geklonter Balkone sehen. 20 Decks hoch, 337 Meter lang. Beeindruckend und einschüchternd zugleich.

Das neue und bisher größte Schiff der AIDA-Flotte. Die AIDAnova ist ein schwimmendes Resort für 5300 Gäste, wenn alle Kabinen mit zwei Personen belegt sind. Noch einige Hundert mehr sind es, wenn manche Kabinen drei oder gar vier beherbergen.  Ein Megaliner mit jeder Menge Top-Entertainment, 17 Restaurants, 23 Bars und einem riesigen Sport & Wellness-Angebot. Aber auch ein Schiff zum Wohlfühlen und Genießen? Für einen erholsamen Urlaub? Abwarten und vorurteilsfrei einlassen auf das, was die AIDA-Macher hier konzipiert haben, kann da nur die Devise lauten. Zeit dafür haben wir: eine Woche mit Stopps auf den schönsten Kanarischen Inseln und mit einem Ab-stecher nach Madeira und zurück. Abwechslungsreich sind die Häfen definitiv, doch auf dieser Reise – und in dieser Reportage – steht eindeutig die AIDAnova als Destination im Fokus. Das Schiff ist nicht ausgelastet, nur rund 2500 Gäste sind an Bord gekommen. Die Gründe: Heute beginnt die allererste offizielle Reise der AIDAnova überhaupt. Und neben Teneriffa gibt es einen zweiten Ein- und Aussteigehafen auf der Route, nämlich auf Gran Canaria, wo wir in drei Tagen anlegen werden. Eigentlich war von Seiten der Reederei sowieso alles anders geplant:

Heute hätte hier die Jungfernfahrt zu Ende gehen sollen. Doch dazu später mehr. Wir haben jedenfalls unverhofft eine „Schonfrist“, die uns ermöglicht, den neuen Megaliner die nächsten drei Tage noch „ganz privat“ zu entdecken – bevor weit mehr als doppelt so viele Gäste über die Decks flanieren. Das Check-in geht ruck, zuck. Die Crew scannt die Voucher mit Smartphones, macht Fotos von jedem, teilt Bordkarten aus, und schon geht’s an Bord und erst mal auf die Kabine, eine großzügige Komfort-Verandakabine. Eine von 21 verschiedenen an Bord. Noch nie gab es bei AIDA so viele Kabinen-Varianten! So kann jeder das für seine Urlaubsansprüche passende Zuhause wählen. Top ist die Penthouse Suite mit 53 Quadratmetern über zwei lichtdurchflutete Decks und mit einem 20 Quadratmeter großen Sonnendeck. Auf Familien warten auf Deck 15, 16 und 17 nahe am Erlebnisbereich Four Elements und dem Kids Club großzügige Familienkabinen. Erstmals bietet AIDA auf der Nova auch Singlekabinen innen liegend und sogar solche mit Balkon an – eine zeitgemäße Innovation. Unsere Verandakabine reicht für durchschnittliche Ansprüche  vollkommen aus: ein Doppelbett, dreiteiliger Kleiderschrank, ein Sofa, das bei Bedarf auch als drittes Bett dient, ein kleiner Beistelltisch, vier Regalablagen, Schminktisch mit zwei kleinen Schubladen. Gelungenes Wohlfühl-Element: die Hängematte auf dem Balkon. Ich weiß schon, von wo aus ich die Sonnenaufgänge beobachten werde! Endlich vorhanden: ausreichend Steckdosen und erstmals auch USB-Charger.

Erste Orientierung bieten die geführten Schiffs-Rundgänge, sinnvoll auf jeden Fall für AIDA-Neulinge, außerdem am interaktiven Infoterminal die Deckspläne. Faustregel: Am Heck gibt’s immer was zu essen. Die Nummerierung der Kabinennummern beginnt am Bug, die Kabine 12008 liegt also vorne, die 12068 hinten am Heck. Gerade Kabinennummern liegen wie üblich in Fahrtrichtung links, ungerade in Fahrtrichtung rechts. Trotzdem: Wer sich zumindest die ersten Male dennoch verläuft, ist in bester Gesellschaft. Noch ein Tipp: Entdecken Sie das Schiff deckweise, beginnen Sie ganz oben am Heck beim Sportfeld, und arbeiten Sie sich ganz in Ruhe nach unten zu Deck 5. Wer die Prima und Perla kennt, findet sich auf der Nova schneller zurecht. Erfolgreiche Features wurden im Neubau oft am selben Ort übernommen, an Bord, etwa der überdachte Beach Club oder die Erlebniswelt Four Elements.

Bestechend und absolut überzeugend präsentiert sich das Innendesign der Nova. Modern und schick ist das Mobiliar in den öffentlichen Bereichen. Nicht überzogen stylisch, sondern richtig gemütlich, sodass man sich Stühle, Tische und Sessel auch im eigenen Heim vorzustellen vermag. Angenehm wohltuend wirkt die überwiegend dezente Farbwahl, die von wohl dosierten und effektiv eingesetzten intensiven Tönen unterbrochen wird. Einen dieser Farb-reize bietet die Tokyo Bar in Senfgelb, Türkisgrün und Kirschrot. Man legte Wert auf natürliche Materialien, vor allem im Spa, passend zum Motto „Green & Organic“. Das Theatrium, das Herzstück auf allen AIDAS ab der Sphinx-Klasse und ein beliebter, rund um die Uhr frequentierter Treffpunkt, ist auf der Nova besonders gelungen. „Die Gäste haben die neue Gestaltung des Theatriums sofort sehr positiv angenommen“, sagt General Managerin Heidi Rothe (37). „Das Theatrium ist auch für mich das wohl schönste ‚Wohnzimmer‘ auf See. Aber auch die neue Art Bar kommt gut an. Hier bin ich auch gerne, weil man sich umgeben von Kunst wie in einem Museums-Café fühlt.“ Das Design-Konzept der Nova soll möglichst verschiedene Bedürfnisse der Gäste abdecken, so die General Managerin weiter. Das hat funktioniert: Die vielen kleinflächigen Bereiche sind intime Wohlfühl-Ecken, in die man sich oft ganz ungestört zurückziehen kann. Positiver Nebeneffekt: Die Gästeschar verteilt sich so ganz natürlich.

Nie ist es beengt oder überfüllt. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich den Luxus gönnen, sich im Spa mit seinem Kaminzimmer, Tepidarium, den Jacuzzis, fünf Saunen und einem privaten Sonnendeck einzubuchen. Dort dürfen nämlich maximal 200 Erwachsene rein.  Ein voll ausgebuchtes Schiff hat jedoch auch einige Vorteile, wie wir feststellen sollen: Die ersten drei Tage verlaufen sich die Gäste so sehr, dass in einigen Bereichen gefühlt „tote Hose“ herrscht. Ein solcher Ort ist der Beach Club, in dem abends die schon von der Prima und Perla als legendär bekannten Partys steigen. Dann heizt entweder eine Band live ein, oder ein DJ legt Top-Hits auf. Man braucht einfach die Masse Menschen, damit unter dem großen Glasdach Bombenstimmung aufkommt. Auch der Nachtclub The Cube ist solch ein Ort, der eher gut gefüllt zum Bleiben einlädt: Wer ist schon gerne allein auf einer Tanzfläche? Gleiches gilt für das „Brauhaus“: „Alpenglühn“, „Schlagersause“ samt Schunkeln machen erst in der Herde richtig Laune, wenn die Bude platzt, das Bier in Strömen fließt.

Die Party-Nächte auf dieser AIDA-Reise sollten also definitiv in der zweiten Reisehälfte stattfinden. Langweilig wird es trotzdem nicht – wie auch bei diesem klasse Entertainment-Programm von AIDA. Diesem Anspruch wird auch die neue Nova voll gerecht: Neben bekannten Shows wie „AIDA Stars“, „Wer wird Millionär?“ und „The Voice of the Ocean“ hat sie neue exklusive Unterhaltungsformate parat. Also heißt es Abend für Abend „Showtime“ auf der neuen 360-Grad-Bühne im Theatrium: Elf LED-Wände, sieben verschiedene Lasershows und der LED-Tube inklusive „Artisten-Fahrstuhl“ gehören zu den raffinierten Innovationen, auf die das Nova-Programm eigens zugeschnitten wurde. Gleich mehrere Shows feiern auf unserer Kreuzfahrt Premiere. Zu den Highlights gehört die Inszenierung „Show Me! YELLO!“, ein audio-visuelles Erlebnis, das Elektropop und Videokunst des weltbekannten Musikduos YELLO mit einem Feuerwerk aus Tanz und Akrobatik vereint. Extravagant, progressiv und durchaus gewagt kommt diese schrille Show daher. Die Gäste klatschen begeistert. Eingängigere Melodien hält die Show „Nashville – Just Good Music“ bereit, wo die Solisten des 20-köpfigen AIDA-Show-Ensembles wie in einem Wohnzimmer-Konzert mit einer virtuellen Band amerikanischen Rock vom Feinsten darbieten. Für die ganze Familie ist die Show „Avona Dia“ exklusiv für die Nova konzipiert worden. Fantasievoll, mit prachtvollen Kostümen und einem aufwändigen Bühnenbild erinnert sie an das Programm von Cirque du Soleil. Kein Wunder, denn sie wurde von zwei seiner Stars kreiert, von denen der eine schon als Chefchoreograf für den Friedrichstadt-Palast in Berlin Erfolge feierte.

Im Studio X, dem ersten TV-Studio auf See, das täglich live produziert und überträgt, waren wir natürlich auch: Hier konnten wir live dabei sein, wie die beliebte Kids-Ratesendung „1, 2 oder 3“ als neues AIDA-Format vorgestellt wurde. Wirklich gelungen und eine echte Bereicherung im Musikangebot ist die neue Rock Box Bar: Rock-Songs von Queen, den Rolling Stones oder AC/DC werden hier „unplugged“ in einzigartiger Pub-Atmosphäre geboten. Die Qualität der Band Witch Wise und der einzigartige Charme dieser schummerigen Musik-Höhle sprechen sich sicher schnell unter den Gästen herum. Wer sich traut, kann an den Karaoke-Abenden hier selbst zum Star werden oder beim Rock-Quiz sein Fanwissen unter Beweis stellen.  Die ersten drei Tage der Kreuzfahrt laufen wir drei Kanarische Inseln an: Das Ausflugsprogramm der AIDA- nova ist entsprechend der Gästezahl erweitert worden, unterscheidet sich inhaltlich aber nicht nennenswert von dem, was auch die AIDAstella in dieser Saison in jenen Häfen offeriert: traditionelle Inselrundfahrten, die üblichen Strandtransfers, diverse Sportaktivitäten wie Pedelec, Biken, Hiken, Golfen. In der Kategorie Abenteuer finden sich Fahrten mit dem Jeep, dem Quad oder Katamaran. Auf Fuerteventura entscheiden wir uns für eine Jeeptour durch den Inselnorden. Als Fahrer und Guide agiert die ausgewanderte Angela. Sie gibt sich viel Mühe, hat neben den Standards auch viele Insider-geschichten parat. Auf Lanzarote und Gran Canaria wollen wir individuell und ohne Zeitlimit und strenger Routenvorgabe unterwegs sein. Wir mieten uns jeweils direkt am Cruise Terminal ein kleines Auto. Bei strahlendem Sonnenschein sind so nach eingehender Besichtigung der Sehenswürdigkeiten sogar noch zwei, drei Stunden am Strand zeitlich machbar.

 

Der erste von zwei Seetagen auf dem Weg nach Madeira zeigt dann, was es heißt, mit rund 5500 Gästen auf der Nova zu urlauben: Zum Sonnenaufgang um 7.50 Uhr ist man noch so gut wie allein unterwegs (obwohl schon die ersten „Ballermänner“ mit Pooltüchern Liegen reservieren). Auch im neuen Außenbreich des Fitness-Studios trainiert noch niemand an den Geräten. Um 10 Uhr sieht’s anders aus: Dann herrscht hier reger Betrieb auf den Laufbändern, in den Sportkursen, beim Minigolf. Auch auf den Außendecks ist inzwischen jeder Platz besetzt – oder nur reserviert! Weil es mehr Stühle als Liegen gibt, haben viele einen zweiten Stuhl als Beinablage in Beschlag genommen, wodurch sich das Platzangebot erheblich reduziert. Schade. Klar, auch die Restaurants sind zu High Peak-Zeiten sehr voll. Aber bei 17 Optionen von asiatisch über alpenländisch bis zu Currywurst und Döner kann wirklich niemand hungrig bleiben! Zumal: Die AIDAnova ist ein wahres Schlaraffenland für Schlemmerfreunde. Nicht weniger als 365 Köche werkeln rund um die Uhr in der Schiffs-Galley, davon zwei Diätköche. Es gibt 200 Obst- und Gemüsesorten, 12 Barilla-Pastasorten, Hummer, Lachs und 140 verschiedene Fische und Meeresfrüchte. Die bordeigene Bäckerei und Konditorei stellt 20 verschiedene Brote, 15 Brötchensorten, 90 verschiedene Torten und Kuchen her.

Zum Frühstück sind wir trotz der Auswahl zugegebenermaßen wenig experimentierfreudig. Nach einem Besuch im  bewährten „Marktrestaurant“ am ersten Morgen bleiben wir im „Yachtclub Restaurant“ „hängen“. Grund: Nur hier können Gäste draußen sitzen. Die war-me Dezembersonne ist Balsam für die Seele! So wird der erste Kaffee zu einem Ritual, das vor allem auf Morgenmuffel entspannend wirkt. Kleine Gäste fühlen sich sicher am wohlsten im Familienrestaurant „Fuego“, wo sie – wie auch auf der Prima und Perla – ihre Lieblingsgerichte an einer abgesenkten Buffet-Strecke aufgeben können. Im „Fuego“ ist auch das Baby Bistro angesiedelt, mit kostenfreiem Brei im Gläschen und Milchpulver.

 

Zum Lunch gefällt uns das „East Restaurant“ sehr, in dem Asia-Fans ganz auf ihre Kosten kommen. Ein neues Highlight ist der original Tandoori-Ofen, in dem traditionelle indische Gerichte frisch zubereitet werden. Superlecker! Im „Bella Donna“ schwelgen wir eines Mittags in den Gnocchi all’arrabbiata, verputzen hauchdünne Pizza-Variationen und ein Tiramisu als Dessert – „La Dolce Vita“ wie in Italien!

 

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um Dinner sollte man jedoch unbedingt die kulinarische Vielfalt an Bord ausnutzen und die Spezialitäten-Restaurants „abklappern“ (Reser-vierung erforderlich!): Die Speisen sind ebenfalls inkludiert, nur die Getränke gehen extra. Vorteil: Man sitzt in allen Restaurants ruhiger als in den Buffet-Alternativen („East“, „Markt“, „Yachtclub“, „Fuego“) und wird am Tisch bedient. Sehr gut gefallen hat uns das Ambiente im „Ocean’s“, dem Fischrestaurant an Bord, vor allem die Optik: An den Wänden „schwimmen“ Fischschwärme auf LED-Bildern durch leuchtendes Meer. Man sitzt quasi mittendrin, ohne abtauchen zu müssen! Die servierte Seafood und das Matjesbrötchen vom Snackbuffet schmecken so noch stilechter.

 

Für Weihnachten haben wir zwei Monate vorher im Internet den letzten freien Tisch im „Ristorante Casa Nova“ ergattern können. Empfehlung also: So früh wie möglich die gewünschten Reservierungen für die Spezialitäten-Restaurants vornehmen! Wir sitzen also im Stil einer venezianischen Villa und genießen das Heiligabend-Menü: Cannelloni von Antipasti, Steinpilz-Essenz mit Trüffel-Nocken, Geschmortes und gegartes Kalb, Weißer Nougat auf Amarena-Kirschen.

 

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eu ist das Restaurant „Time Machine“, in dem abends eine Dinner-Show stattfindet. Hier wird eine Zuzahlung pro Gast von 14,90 Euro fällig. Der Preis inkludiert drei Gänge, wählbar aus zwei Menüs, und Getränke, darunter passende Weine. Kinder bekommen ein Kindermenü. Das Spektakel beginnt mit einer Fahrt in einem knatternden Aufzug. Ratter, ratter! Es geht scheinbar in die Tiefe, in das Reich eines gewissen Professor Tempus. In dem kreisrunden Raum entführt er die Gäste mit Hilfe sich bewegender Bilder aus LED-Bildschirmen an Decke und Wänden in eine geheimnisvolle Unterwasserwelt. Das Ziel: die Suche nach dem Schatz der versunkenen Stadt Atlantis. Wirklich mitgerissen hat uns weder die Story noch die Darbietung, auch wenn das zwischendurch von als Zauberer verkleideten Kellnern servierte Essen schmackhaft war. Hier wird sicher noch nachgebessert. Wahre Gourmet-Kochkunst darf man übrigens trotz der Titulierung „Spezialitäten-Restaurant“ in keinem erwarten, aber immerhin gehobene Küche. Kulinarische Genüsse finden Feinschmecker auch auf der Nova weiterhin im „Churrascaria Steakhouse“ und im „Rossini“ sogar durchaus auf Sterne-Niveau.

 

Der absolute Hit an der neuen Eisbar ist die Bubble-Waffel für fünf Euro extra: eine frisch gebackene, also noch warme XXL-Waffel zu einer Tüte gedreht mit zwei Kugeln nach Wahl aus dem an Bord hergestellten Eissortiment und on top zwei Toppings wie Smarties etc. Die Riesenportion ersetzt eine komplette Mahlzeit, ist es aber wert! Wer einen Koffein-Kick vom Kult-Kaffee Starbucks will, bekommt diesen erstmals auf der Nova im Café Mare: 20 Kaffee-, aber auch Teespezialitäten gibt’s hier nach original Starbucks-Rezept.

 

Nicht immer funktioniert alles wie ein Uhrwerk in dieser ersten „Arbeitswoche“ der Nova: Doch dass während unserer Reise noch nicht alles nach Wunsch abläuft, ist an dieser Stelle mit dem nötigen Verständnis zu werten. Die Nova hatte einen anderen Start als ge-plant: Die Rostocker Reederei war nach dem im Ergebnis unbefriedigenden „Ausflug“ in die japanische Großwerft Mitsubishi Heavy Industries (MHI) für die Vorgänger Prima und Perla für diesen Neubau zur Meyer Werft Papenburg zurückgekehrt. Das sollte deutsche Wertarbeit und eine termingerechte Auslieferung garantieren. Beim fulminanten Tauf-Festival bereits Ende August – also in der Werft –, was es bis dato ebenfalls noch nie gab, waren alle noch guter Dinge. Dann die Hiobsbotschaft: Erstmals in der Firmengeschichte musste die Meyer Werft die Auslieferung eines Schiffs verlegen. Testfahrten fielen ins Wasser, dann die Jungfernfahrt. Statt Mitte November konnte die AIDAnova schließlich am 12. Dezember in Bremerhaven übergeben werden und am 19. Dezember auf Teneriffa zu dieser, unserer ersten Reise starten. General Managerin Heidi Rothe: „Wir hatten so statt drei Wochen nur eine Woche für die üblichen ‚Proben‘ an Bord.“ Was konkret bedeutet: Bevor die ersten zahlenden Passagiere ankommen, sollte der Schiffsbetrieb „trocken“ und unter möglichst realisti-schen Bedingungen getestet werden, damit die wichtigsten Bereiche wie Nautik, Hotel-Département und Entertainment fehlerfrei funktionieren und das Urlaubs-
erlebnis für die Gäste perfekt ist. Zu diesen Tests gehört beispielsweise, dass etwa 200 Crew-Mitglieder gleichzeitig in den Restaurants wie normale Gäste speisen,  damit die Küchen-Kollegen eine pünktliche Zubereitung des Essens üben können und die Crew sie unter Einkalkulierung der jeweiligen Laufwege von der Haupt-küche servieren kann – also bestenfalls noch heiß und ohne Wartezeit.

 

Kapitän Boris Becker, der Prototyp eines knuffigen Seebärs, begegnet solchen Startschwierigkeiten mit offener Kommunikation. „Heute früh mussten einige Gäste leider kalt duschen“, sagt er eines Morgens bei seinen täglichen Durchsagen. „Das lag daran, dass wir in einem Teil des Schiffs unerwartet einen Wasserschaden hatten, den wir natürlich sofort entdeckten und behoben haben.“ Ein Rohr war offenbar nicht richtig verlötet worden und geplatzt. Aber das kann immer und überall passieren.

 

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ie AIDAnova ist nicht nur das größte Schiff der Reederei und das erste der neuen Helios-Klasse, sondern auch das erste „grüne“ Kreuzfahrtschiff weltweit. Sie setzt damit einen Meilenstein für einen neuen Schiffstypen. Sie wird zu 100 Prozent mit umweltschonendem Flüssig-erdgas, also Liquefied Natural Gas (LNG), betrieben, wodurch sich die Emission von Stickoxiden im Gegensatz zu Schweröl und Diesel um bis zu 80 Prozent, die CO2-Emissionen um weitere 20 Prozent reduzieren. Die Füllung der drei LNG-Gastanks im Schiffsrumpf reicht für einen 14-tägigen Törn. Zudem wird durch verschiedene innovative Techniken der Verbrauch von Energie und Wasser erheblich gemindert.   Auch wenn Kapitän Becker jahrelange nautische Erfahrung hat – er hat schon die Prima und Perla in Dienst gestellt –, musste er sich in die neue Materie mit LNG einarbeiten. Jetzt ist er natürlich fit und weiß, dass „LNG ein Treibstoff wie jeder andere ist und auch die Führung des Schiffs nicht so anders ist“. Übrigens hat die Nova auch noch Marinediesel gebunkert. Für den klitzekleinen Fall, dass irgendetwas mit dem LNG-Antrieb nicht so laufen würde, wie er sollte. Dann kann Becker ohne zeitliche Unterbrechung auf Marinediesel umstellen. Wir haben übrigens null Unterschied zu einem nicht mit LNG betriebenen Schiff bemerkt, andere Gäste auch nicht. Sicherheit steht ohnehin immer an oberster Stelle. Für den Erstanlauf der Nova in Funchal auf Madeira etwa am 24. Dezember sind starke Winde vorausgesagt. Daraufhin erhöht Becker die Geschwindigkeit, fährt bereits am Abend vorher in den engen Hafen und legt die Nova problemlos und butterweich an die Pier.

 

Heiligabend auf Madeira: Das wolkenverhangene Madeira lädt zu einem gemütlichen Bummel durch das wunderschön festlich geschmückte und friedliche Funchal ein. Ein Weihnachtsmarkt mit lokalen Produkten, heimischer Musik und Folkore lässt besinnliche Stimmung aufkommen, bevor – zurück an Bord – der Weihnachtsmann die 1200 Kinder beschert und die Weihnachtsgala die „Heilige Nacht“ beginnen lässt. Der letzte Seetag zurück nach Teneriffa steht noch einmal im Zeichen von Weihnachten: „Winter Wonderland“ im Four Elements, Weihnachts-Bingo, Weihnachts-Tombola, Weihnachts-Teatime. Na ja, fast: Xmas-Verneiner können beim Bayerischen Frühschoppen im Brauhaus, auf der White Night Party im Beach Club oder auf der Neon-90er Party im Studio X ganz profan feiern. Was ist nach dieser ersten Kreuzfahrt auf der AIDAnova das Fazit? Ob Kabine, Gastronomie, Musik, Shows, Unterhaltung, Sport, Wellness, Kinderbetreuung – das Angebot ist so gigantisch wie die Nova selbst. Was macht es da schon, ob man mit 2500 oder 5300 Gäs-ten an Bord ist. Die AIDAnova bietet jedem seinen ganz persönlichen Urlaub auf See, nach dem Motto: Kreuzen, wie „ich“ mag!                          Text: Susanne Schaeffer

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